Der 2.Versuch von 1937-1945

Die Kriegsmarine der Deutschen Wehrmacht begann bereits um Mitte der 1930er Jahre mit den Vorbereitungen des Aufbaus einer Marine-Hauptbasis im Großen Jasmunder Bodden, gestützt auf den Plänen der ehemals preußischen Marine.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Großadmiral

Erich Raeder 1891-1960

 

Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Raeder, überzeugte 1936 die Reichsführung vom Gesamtplan der geschützten Marinebasis „Rügen“ im westlichen Ostseeraum. Das militärgeprägte Vorhaben stand ganz im Einklang mit der Durchsetzung nationaler Interessen (z.B die Absicherung rüstungswichtiger Erzlieferungen aus dem skandinavischen Raum) und war außerdem unter dem Aspekt einer zu erwartenden Kriegsfallvariante zu betrachten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Faksimile - Allgemeines Marineamt und Oberkommando der

Kriegsmarine aus den Jahren 1936/1937 mit Bezug Rügenhafen

 

 

Die bisherige Verbindung (Transitkorridor) nach Skandinavien bekam mit der am 5.Oktober 1936 erfolgten Eröffnung des Rügendamms (Eisenbahnverkehr bis Hafen Sassnitz) und mit der am 13.Mai 1937 fertig gestellten Straßenanbindung zur Insel Rügen eine noch größere Bedeutung.

Das zeigte sich später unter anderem während des gesamten Kriegsverlaufs, in dem täglich Truppentransporte über Schweden nach Norwegen - trotz eindeutigem Neutralitätsstatus Schwedens - transportsicher und mit Regelmäßigkeit aufrecht erhalten blieben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erste Zugankunft über den Rügendamm in Altefähr 1936

 

 

Die strategischen Überlegungen der Marineführung sahen außerdem vor, in den Banzelvitzer Bergen einen Kriegshafen für U-Boote und kleinere Sicherungsfahrzeuge zu errichten. Die Projektierungen hierfür begannen 1936/1937 unter der Leitung des Marineoberbaudirektors Linde in Verbindung mit dem als wissenschaftlicher Obergutachter beauftragten Professor Erich Wasmund (1902-1945) vom damaligen Instituts für Meeresgeologie in Kiel.

 

Die Planungen zum „Rügenhafen“ im Allgemeinen konzentrierten sich auf den Hafenbau mit großem Anteil an Werftindustrie, für den zivilen und auch für den militärischen Schiffbau sowie auf die Errichtung von Basisstützpunkten für verschiedene Verbände der Kriegsmarine. Als sogenannte Standort- und Stützpunkträume wurden die territorialen Ortslagen bei Polchow, Martinshafen, Lietzow, Ralswiek und Banzelvitz bestimmt und für den notwendigen Ostseedurchstich (Kanalbau) den bis dahin noch wenig bekannten kleinen Fremdenverkehrsort Glowe, gelegen auf der Halbinsel Jasmund am Tor zur Schaabe im Tromper Wiek.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blick von Polchow auf die Banzelvitzer Berge

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Luftbild der Banzelvitzer Berge am Großen Jasmunder Bodden

 

 

 

In den Banzelvitzer Bergen sollte unmittelbar nach Fertigstellung der Hafenanlagen eine Basis für drei Flottillen mit 25 U-Booten (Typ II B u. VII B) und kleine Versorgungsschiffe ihren Dienst aufnehmen. Die weitere Aufstockung um etwa 30 Schiffe war bereits für Mai/Juni 1939 geplant. Eine weitere 1938 in Auftrag gegebene Studie sollte Klarheit bringen, ob die bereits geplanten Hafenkapazitäten später auch zur Aufnahme großer Kriegs- bzw. Schlachtschiffe ausreichen könnten. Zur Sicherstellung der Transportsicherheit sollten bis an die jeweiligen Hafenanlagen (Werften, Trockendocks, Helgen und Molen) Gleiskörper führen. Im boddenseitigen Kanalumfeld (Spyker- und Mittelsee) war vorausblickend für ein- und auslaufende große Kriegsschiffe der Ausbau einer Manövrierfläche ab Mindestbreite 250 m und 18 m Tiefgang vorgesehen. Für das gesamte Hafenareal (zivil wie militärisch) waren planfolglich vorerst ca.11.000 Arbeitskräfte und für später auch der Einsatz eventueller Kriegsgefangener vorgesehen.

 

Anfang 1938 begannen in Glowe, wenige 100 Meter östlich vom Steilufer des Kap Königshörn entfernt, die Bauarbeiten für die Kanaleinfahrt von der offenen Ostsee. Die ersten Aufschluss- und Bauarbeiten konzentrierten sich auf zwei mächtige Molenbefestigungen (West- und Ostmole mit Zwischenhafen für Schlepp,- Versorgungs- und Lotsenboote etc.) und den Durchstichkanal in Richtung Bodden. Die Arbeiten für den Tiefenkanal erfolgten fast zeitgleich. Die Größenordnung des zu errichtenden Kanals unterlag schwankenden Parametern. In der Breite sollte er zwischen 90-120 Meter und in der Tiefe zwischen 12-25 Meter sein.

 

Auch die Erschließung einer Eisenbahntrasse, von Lietzow kommend über Polchow nach Glowe, war Planbestandteil der Deutschen Kriegsmarine. Hierfür begannen 1937/38 die Arbeiten für den Bahndamm ab Abzweig Lietzow/Borchtitz über Martinshafen-Polchow nach Glowe Weddeort (heute Radweg Glowe-Weddeort, Spyker- und Mittelseebrück,Polchow).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teilstück des ehemaligen Trassenverlaufs der Eisenbahnstrecke

Borchtitz-Glowe zwischen Martinshafen und Polchow

(heute Landweg nach Neudorf und Sagard)

 

 

 

Die hierfür erforderlichen Arbeitskräfte waren in Glowe, Bobbin und Polchow, aber auch in Sagard in Baracken oder teilweise in großen Mannschaftszelten zwischen Spyker und Polchow untergebracht. Zwecks Koordinierung und Absicherung militärischer AufgabenstellungenIn befand sich in Sagard ein Marinehafenbauamt (analog auch in Bergen).

 

Nach den Ereignissen von 1939, dem Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion, der Kriegserklärung Englands und des Blitzkriegs gegen Polen, verlor der Stützpunkt Rügenhafen vorerst seine ursprüngliche Bedeutung. Deutschland besaß nun im Ostseeraum geradezu ideale Bedingungen zur Stationierung von Marineverbänden. Infolgedessen wurde vom Oberkommando der Kriegsmarine Anfang des Jahres 1940 die Einstellung der Baumaßnahmen auf der Insel Rügen befohlen.

 

Doch in Folge der 1943/1944 entstandenen Kriegslage - Eröffnung des Zweifrontenkrieges im Westen und des schnellen Vormarschs der Roten Armee im Osten sowie des offensiven Vorgehens der Alliierten Luftstreitmacht gegen Werften und Basen der Kriegsmarine, vorwiegend an den Atlantikküsten, aber auch darüber hinaus, befahl Großadmiral Dönitz 1944 die sofortige Wiederaufnahme des eingestellten Bauarbeiten am Rügenhafen, allerdings nun unter abgeänderten Gesichtspunkten, nämlich schwerpunktmäßig als Rückzugsvariante für U-Boote und zum Schutz der vielseitig noch in der Ostsee und im Atlantik operierenden Marineverbände.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Großadmiral und Hitler-Stellvertreter

Karl Dönitz 1876 -1980

 

 

Vorrang hatte nun der Neubau und die Reparaturwerften für U-Boote. Zum Schutz gegen die alliierte Luftüberlegenheit kam nun noch eine Verbunkerung der Produktionsstätten in Betracht. Dazu sollte im Jasmunder Bodden (Banzelvitzer Berge) der größte bombensichere U-Bootbunker - neben vier weiteren in Kiel, Gotenhafen Swinemünde und Bornholm - für 36 U-Boote der Typenklasse XXI sowie Liegeplätze entstehen. Im Eiltempo sollten die bunkerartigen Werftbauten für U-Boote vorangetrieben werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Arbeiten am Kanaldurchstich, nun auch unter Zuhilfenahme von Kriegsgefangenen, begannen zügig, ebenso unweit an der Kanalebene die Molenbauvorbereitungen und die Montage einer stählernen Anlege- und Verladebrücke für Torpedos und U-Boote.

 

Im Jahre 1947 wurde das stählerne Monstrum im Auftrag der Sowjetischen Militäradministration demontiert. Dabei kam bedauerlicherweise auch ein Berufstaucher aus Stralsund ums Leben.

 

FAZIT - das rasche Ende des 2. Weltkriegs ließ alles unvollendet, der Bau des "Rügenhafens" scheiterte erneut.

 

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