Der 1.Versuch von 1848-1866

Nach der ersten deutschen Revolution im Jahre 1848/1849 beschloss die Frankfurter Nationalversammlung die Gründung einer einheitlichen Reichsflotte. Nach Vorstellungen der Admiralität unter Führung von Admiral Carl-Rudolf Bromme (1804-1860) sollte die neue Seekriegsflotte einen Hauptstützpunkt auf der strategisch bedeutsamen Insel Rügen erhalten. Dort befand sich bisher noch kein Kriegshafen, sodass die Lage eines Basishafens im Großen Jasmunder Bodden als auch dessen Nähe zum damaligen Hauptfeind Dänemark voll und ganz den Zielen und Strategiekonzepten der Flottenführung entsprach.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seekriegflagge der Reichsflotte von 1848-1852

 

Wegen akuter Finanznot und Uneinigkeit bei der Ausübung der Exekutivgewalt scheiterte das Vorhaben 1852 bereits nach vier Jahren. Einhergehend damit verlor auch die Kriegsflotte ihre Daseinsberechtigung und wurde aufgelöst. Die vorgesehenen strategischen Ziele und Aufgaben konnten ohne einheitliche Führung nicht mehr erfolgsversprechend durchgesetzt und erfüllt werden.

 

Im Ergebnis der gemachten Erfahrungen im Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848-1851) gegen Dänemark interessierte sich nun Preußens Admiralität unter Führung von Prinz Adalbert von Preußen für einen Basisstützpunkt ihrer Kriegsschiffe auf Insel Rügen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prinz Adalbert von Preußen 1811-1873

 

Der Prinz von Preußen erkannte bei seinen strategisch verfolgten Zielen sehr wohl die Bedeutung der Insel Rügen, um dadurch der starken Seemacht Dänemark besser begegnen und vor allem wirkungsvoll schwächen zu können. Gleichzeitig nährte es die Hoffnung, die Vorherrschaft im baltischen und skandinavischen Raum auszubauen und zu festigen. Preußens Ziel war es außerdem, den noch von Dänemark beherrschten Handelsweg durch den Belt in die Nordsee unter Kontrolle zu bringen. Die Beherrschung der Meerenge war die Grundbedingung für den sicheren Zugang in den Atlantik bis hin nach Übersee.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kriegsschiffe der Reichsflotte um 1849

 

Preußens Admirale ging es damals also nicht nur um den Schutz der preußischen Küste, sondern vielmehr um die umfassende Verteidigung des norddeutschen Seegebiets in seiner Gesamtheit. Hierzu mußte eine starke und einheitlich operierende Flotte aufgebaut werden, mit geeigneten und geschützten Stützpunkten in der Ostsee, um damit die Vorherrschaft des Hauptfeinds Dänenmark zu brechen und dauerhaft unter Kontrolle zu bringen.

Preußens Admiralität erteilte daher 1853 dem Geheimen Oberbaurat Dr. Gotthilf Hagen den Auftrag, eine entsprechende Studie für die preußische Marineführung zu erarbeiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gotthilf Hagen 1797-1884

 

Aus dem später vorgelegten Gutachten ging hervor, dass für die Errichtung eines Kriegs- und Handelshafen auf der Insel Rügen die Gewässer des Großen Jasmunder Boddens wohl die besten Vorraussetzungen besitzen. Hagens Vorschlag war es, durch die Schaabe bei Juliusruh/Breege einen Durchstich zu treiben und bei Breege den Kriegs- und Handelshafen zu errichten. Der Lösungsvorteil lag auf der Hand. Von der Schaabe her und von Seiten der Halbinsel Wittow würde dem Hafen ein ausreichender Schutz vor heftigen Wetterunbilden geboten. Zur allumfassenden Versorgung der militärischen und zivilen Flottenbasis insgesamt war in der Planung sogar eine Eisenbahnanbindung zwischen Breege und Berlin vorgesehen. Grundbedingung für den Hafenausbau war aber der Durchgang mittels eines Kanals von der offenen See in das Boddengewässer. Der preußische Konteradmiral und Befehlshaber der ersten deutschen Kriegsflotte Carl-Rudolf Bromme offerierte 1854 der Admiralität die von Gotthilf Hagen (1797-1884) entworfenen Pläne zum Kanal- und Hafenbau auf der Insel Rügen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Carl-Rudolf Bromme 1804-1860

 

 

So bot laut Studie auch das Umfeld rings um Glowe, einschließlich Polchow und Martinshafen, interessantere Voraussetzungen für den Hafenbau, was jedoch von der Admiralitätsführung verworfen wurde. Nach Hagens erarbeiteten Gutachten stellte sich später allerdings heraus, dass das Boddenumfeld in Breege über einen viel zu geringen Gewässertiefgang verfügte und die viel zu flach verlaufende Schaabe nur geringen Schutz vor möglichen Sturmfluten bot und damit das Hafengelände in Gefahr (Überflutung und Versandung) bringen könnte. Somit regten sich wegen der eventuell zu erwartenden Mehrkosten berechtigte Zweifel an der Richtigkeit der Standortlage und am erfolgreichen Gelingen des Großhafens Breege.

 

Das auf preußischer Seite aufgeflammte Interesse am Flottenhafen bestand jedoch auch nur für kurze Dauer, denn Schleswig und Holstein, inzwischen unter preußischer und österreichischer Verwaltung stehend, erlaubte 1866 den mit Österreich verbündeten Preußen ihre bisher in Danzig stationierte Kriegsflotte nach Kiel zu verlegen und den Standort als dauerhafte Marinebasis auszubauen. Preußen schloss in dieser Zeit mit weiteren nord- und mitteldeutschen Staaten Verträge, auch unter der Bezeichnung "Augustbündnis" bekannt. Diese waren einerseits Bündnispakte und andererseits Vorverträge und dienten als Grundlage für die Gründung des Norddeutschen Bundes. Statt 1865/1866 die Bundesflotte wieder zu aktivieren, bündelte sich später die Marine des Norddeutschen Bundes zu gemeinsamen Seestreitkräften. Daraus entwickelte sich wenige Jahre später die Marine des Kaiserreiches.

 

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Karte des Deutschen Bundes von 1815 - 1866

Karte des Norddeutschen Bundes 1866 - 1871